#81 Mode und Food: Ein ungleiches Paar mit Carl Tillessen
Shownotes
Die Mode braucht das Essen, umgekehrt gilt das nicht. Modehäuser eröffnen Cafés und Osterias, Luxusmarken schicken Chipstüten aus Leder über den Laufsteg, Discounter verkaufen ihr Logo als Merch. Hinter dem Flirt der beiden Branchen steht ein klares Kräfteverhältnis: Ohne Gastronomie verliert der Modehandel seine Anziehungskraft. Ein Lebensmittelladen kommt ohne Mode gut aus.
Carl Tillessen ist Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts und Autor von „Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen”. Mit Stefan Fak seziert er, was Food und Fashion voneinander gelernt haben. Etwa von Virgil Abloh und seiner Kerze in der zerbeulten Blechdose: Gestalte nicht das Produkt, gestalte den Raum, in dem es steht. Seit ungefähr 2020 verkauft genau dieses Prinzip Jogginghosen und Olivenöl gleichermaßen teurer.
Dann wird es spannend. Carl erzählt, wie aus einem Partyfoto von Balenciaga-Kreativdirektor Demna mit Chipstüte eine Handtasche wurde. Und warum Chips essen in einer Gesellschaft voller Selbstoptimierung schon als Tabubruch gilt. Der Tabubruch ist in der Mode eingeplantes Werkzeug: Eine Tomate wird zum Parfum, auf jeder Modenschau laufen Teile, die nie verkauft werden. Sie sollen Aufmerksamkeit erzeugen, damit sich der Rest verkauft. Genau dieses Potenzial zur Provokation hat die Lebensmittelbranche nach Carls Einschätzung kaum auf dem Schirm.
Essen ist performativ geworden. Ob jemand Matcha oder Kaffee trinkt, Aperol Spritz oder Negroni, hat oft weniger mit Geschmack zu tun als mit Selbstdarstellung. Dahinter steckt ein starker Wunsch nach Zugehörigkeit und die Angst, mit dem eigenen Lebensstil an den Rand gedrängt zu werden. Carl erklärt damit auch, warum Bratwurst-Videos von Politikern und der Streit um Namen für Fleischersatz so viel Leidenschaft auslösen.
Außerdem geht es um Status und Alter. Warum ist die Instant-Nudelsuppe im Studium charmant und mit fünfzig bedenklich? Was hat der Lidl-Trainingsanzug der Linkin-Park-Sängerin in Düsseldorf mit einer Tomatenkerze zu tun? Und warum haben Menschen im Lockdown keine Handtaschen mehr gekauft, obwohl sie die angeblich nur für sich selbst kauften?
Für Food-Marken gibt es konkrete Lehren. Aldi und Lidl können über Mode-Kooperationen ein schambesetztes Image drehen. KoRo zeigt mit unscheinbarem Kraftpapier, dass leise Verpackung in lauten Regalen Vertrauen schafft. Und viele Lebensmittelfirmen sind längst designgetrieben, ohne es so zu nennen.
Zum Schluss Carls Rat an die Branche: öfter völlig verrückte Produkte machen, die gar nicht verkauft werden müssen. Einfach mal einen raushauen.
Mehr zu Food Fak(t) findet ihr auf Instagram unter @foodfakt_podcast. Dort teilen wir regelmäßig vertiefende Inhalte, spannende Hintergründe und zusätzliche Einblicke zu den Themen, über die Stefan und seine Gäste im Podcast sprechen.
Weitere Informationen rund um den Podcast sowie alle Folgen auf unserer Website www.foodfakt.de.
Transkript anzeigen
00:00:00: Ich glaube, dass es in Zukunft kaum noch stationären Handel geben wird.
00:00:05: Also Läden, Mode-Läden die sich leisten können auf kulinarische Angebote zu verzichten wo man keinen nicht mal einen Kaffee bekommt oder ein Wasser.
00:00:17: Aber das wird es einfach nicht mehr geben.
00:00:21: Herzlich willkommen bei Food Fakt!
00:00:24: Ein perfekt angerichteter Teller lebten paar Minuten – ein gutes Kleidungsstück trägt man jahrelang.
00:00:30: Und genau an dieser Schnittstelle passiert gerade etwas Merkwürdiges.
00:00:34: Foodmarken wollen nicht mehr nur schmecken, Und gegessen werden?
00:00:38: Sie wollen auch getragen werden.
00:00:40: Vom Lidl-Trainingsanzug über Crocs mit Hamburger Abzeichen bis zur Chipstüte aus Leder auf dem Laufsteg.
00:00:47: Warum das passiert und was es über uns aussagt, bespreche ich heute mit Karl Tillessen – Geschäftsführer des Deutschen Modeinstituts, Trendforscher, Autor von Konsum, warum wir kaufen, was wir nicht brauchen und selbst Mitgründer eines Berliner Modellabels!
00:01:02: Wir schauen uns an… wo Mode und Food einander berühren.
00:01:05: Und was diese zwei doch sehr kreativen Branchen grundsätzlich unterscheidet?
00:01:10: Freut euch auf dem Gespräch darüber, wie Essen zum Status Symbol wurde!
00:01:13: Was Foodmarken von der Mode lernen können – und letztendlich auch auf die Frage, wo die Grenze verläuft zwischen kultig und peinlich.
00:01:33: Ich beneide die Modebranche ja ein bisschen.
00:01:36: Man produziert einen Teil, in der Regel trägt man das dann jahrelang im Koch umgekehrt, errichtet einen Teller an und oft sind es kleine Kunstwerke, die nach ein paar Minuten weg sind, verschlungen sind.
00:01:48: Kann das sein dass die Food Branche da so ein bisschen neidisch ist auf dem Modebranchen?
00:01:52: Das sage ich sehr lustig weil habe ich noch nie gehört... Die Modebranche als besonders langlebig bezeichnet, also eigentlich ist immer das Gegenteil dass man die Modebranche als besonders schnelllebig betrachtet.
00:02:05: Aber ja sofern die Produkte leben länger... ...die Frage sehen wir auch wie lange leben die Trends?
00:02:12: Wie lange bleibt ein Lebensmittel interessant und wie lange bleibt eine Kleidungsstücke oder einen bestimmten Look interessant?
00:02:19: Also so gesehen aus der Trendsicht ist das Ganze sehr kurzweilig.
00:02:22: Willst du sagen?
00:02:23: Ja, total.
00:02:24: Aber die Ernährung ist ja auch zunehmend von Trends beeinflusst also dadurch dass sie aus dem Privaten ins Öffentliche getreten ist durch Social Media.
00:02:34: Das heißt ein Frühstück konnte schon einen deshalb früher nicht trendi sein weil man das gar nicht mit der Umwelt geteilt hat.
00:02:42: Schauen wir uns mal in das Verhältnis dieser beiden Branchen an.
00:02:45: Gucci hat eine Osterier, die Ohr hat Cafés, letztens habe ich gesehen Armani hat auch eigene Cafés mittlerweile.
00:02:51: Wie ist denn das wenn so ein Modehaus anfängt Essen zu servieren?
00:02:55: Ist es eher ein Marketing Gag?
00:02:56: Ist das ein ernstes Geschäft?
00:02:59: Was bezweckt denn die Häuser damit dass man food jetzt plötzlich in sich hinein holt?
00:03:05: also Da kommen zwei Sachen zusammen.
00:03:06: Einmal ist es natürlich so, dass dem stationären Moderhandel immer mehr das Wasser abgegraben wird durch den online Handel.
00:03:14: Das ist ein Riesenproblem und der stationäre Handel versucht die Trümpfe auszuspielen, die hat nämlich das multisensorische Erlebnis.
00:03:21: Also er versucht Raumbeduftung Musik haptisches erleben aber natürlich insbesondere auch das kulinarische Erlebniss mit dem Einkaufen im stationären Handel zu verknüpfen und das funktioniert auch super.
00:03:34: Also an vielen Stellen so gut, dass die Gastronomie dann den Einzelhandel verdrängt wie wir es in vielen Shopping-Malls erleben also insbesondere in Berlin hier wo viele Shopping Malls eben nur noch durch den Food Court im Grunde zusammengehalten werden oder wo das der Hauptattraktionspunkt ist.
00:03:52: Das ist die eine Sache und die andere Sache ist für Marken auch dieser Spruch gilt Liebe geht durch den Magen durch positive Erlebnisse, die man auf der kulinarischen Ebene hat.
00:04:04: Also diese positiven Erlehnisse mit ihrer Marke emotional zu verknüpfen, sodass durch das leckere Essen das dann zum Teil eben gebrandet ist wie in den Beispielen, die du genannt hast wo dann so kleine Püttifuhr sind, die dann auf der Enam Prada steht oder Louis Vuitton oder diese vier Stiche von Margiela sind dass sich dieser Geschmacksexplosion und dieses positive Geschmackserlebnis mit der Marke verbindet.
00:04:27: Funktioniert es auch?
00:04:29: Espresso kostet jetzt vielleicht fünf Euro.
00:04:30: Da kann jeder Tourist in Gucci rein latschen und sagen, jetzt bestelle ich mal so ein Espresse von Gucci umgekehrt wie die Personen vielleicht nie im Leben zweitausend Euro Gucci Handasche kaufen.
00:04:42: Also passt das billige und anfänglich gedrängt dann zu dem hochteuren Designerteil?
00:04:49: Was man nicht unterschätzen darf ist dass dieser sogenannte aspirational Customer also der Kunde, der sich das eigentlich nicht leisten kann.
00:05:02: Aber trotzdem leistet diese Luxusmarken, dass der tatsächlich mindestens die Hälfte des Umsatzes macht bei diesen Luxusmarken.
00:05:09: Das heißt ein kleinerer Teil des Luxusmarktumsatzes wird mit den Kunden gemacht, die sich das leisten können und auch leisten sollten.
00:05:18: Und der Hauptteil wird mit denen gemacht, sie sich eigentlich lieber nicht leisten sollten aber es trotzdem tun.
00:05:24: Die Designer haben ja so Handschriften, kann man sagen.
00:05:27: Woran man dann so typisch sie auch erkennt.
00:05:30: Köche haben das zum Teil auch aber wird sowas auch übertragen.
00:05:36: also werden vielleicht auch Erzählungen rund um den Koch oder um diese Kochkultur da integriert.
00:05:43: Ja, ganz viel.
00:05:46: Man versucht sogar die Farbigkeit aufzunehmen.
00:05:49: Was ich eben nannte bei Margella ist das Pettifuhr weiß mit Schwarz in diesem Nichtfarbingbereich und andere haben sehr kitschige gastronomische Inszenierungen Und man versucht das natürlich auf die Marke abzugleichen.
00:06:05: Aber natürlich muss man da noch weiterdenken und sagen dass es wirklich Ernährung auch immer performativer geworden ist und auch in den letzten Jahren auch, dass man darüber auch seinen Lebensstil insgesamt kommuniziert.
00:06:19: Und das man darüber eben ein Statement macht oder darüber wie man sich ernährt und was man zu sich nimmt und ob man jetzt Kaffee trinkt oder Matcha trinkte oder Apropos Spritz oder Negroni.
00:06:30: Das hat wahrscheinlich viel weniger damit zu tun, was einem besser schmeckt Damit tun, wie man sich darstellen will oder was man über sich sagen will damit.
00:06:42: Was auf alle Fälle auffällt ist das manche Köche ja auch tatsächlich diese Sprache der Mode oder des Designs übernehmen wenn sie von Silhouette sprechen vom Textur und Farbpalette.
00:06:53: Ist es eine echte gestalterische Verwandtschaft denkst du?
00:06:56: Oder ist das einfach ne Anleihe damit man die Kochkunst vielleicht durch die Mode aufwertet?
00:07:02: Ich glaube, es ist inzwischen wirklich eine sehr starke Verwandtschaft geworden.
00:07:05: und da sind wir wieder bei Social Media.
00:07:07: Das heißt dadurch dass Essen fotografiert wird das der Erfolg von Restaurants davon abhängt ob das Essen Instagrammable ist ob man sozusagen es schafft durch diese Post die man aus diesem Restaurantbesuch generieren kann eben auch wirklich Neid und Bewunderung einzustreichen.
00:07:27: Das hängt eben tatsächlich sehr, sehr stark davon ab wie das Essen aussieht.
00:07:30: Und so insofern muss sich die Foodbranche viel mehr Gedanken darüber machen, auch insbesondere die Gastronomie, mir natürlich vielmehr darüber, die ähnliche Gedanken machen wie die Mode.
00:07:40: Also sie ist auch zu einer oberflächlicheren Branche geworden in den letzten Jahren.
00:07:47: Food fotografiert wird, wie es gestalterisch und ästhetisch wirkt.
00:07:50: Das war ja auch hier im Podcast schon sehr oft ein Kritikpunkt von vor allem den Hardcore-Foodies die dann einfach sagen naja das schaut jetzt nur mehr schön aus aber schmecken tut's nicht mehr!
00:08:01: Und also wenn ich jetzt eine Gurke dreimal von oben links in einem Glanzlicht fotografiere, bleibt da ne Gurke und führt dann eigentlich nur mal zum Ärgernis wenn sie labrig schmeckt und vielleicht vierundzwanzig Euro kostet?
00:08:14: Da frage ich mich jetzt grad Hat das Food von Mode übernommen oder wurde das in Social Media so integriert, ohne auf den Geschmack zu achten?
00:08:24: Oder umgekehrt gefragt.
00:08:26: Reicht es in der Mode heraus, dass es nur Hübsch ist?
00:08:29: Natürlich!
00:08:32: Das erste Kriterium in der Mode muss natürlich auch bequem sein und passen
00:08:37: usw.,
00:08:37: aber ja tatsächlich sehe ich das da auch parallel.
00:08:41: die Prioritäten sich im Food-Borch, genau wie du sagst wirklich so weit verschieben.
00:08:45: Dass es zum Teil dann auch auf Kosten des Geschmacks geht oder dass das dem Gast bestimmte Dinge zugemutet werden, die ihm eigentlich nicht zugemuttet werden sollten weil man jetzt zu einer... Bleiben wir mal bei dem Beispiel Frühstück.
00:09:01: und da oben halt diese der Frühstücks Bowl, die Superfoods, Zutaten Egoji Beeren So dann in so Streifen da oben draufgelegt werden, dass es natürlich total sinnlos war letztendlich.
00:09:16: Muss man's eh verrühren und das muss eigentlich ein bisschen ziehen wie ein Böhrchermüsli und es geht insofern dann... Da fängt es ja schon an, dass auf Kosten des Geschmacks geht die Instagram-Ability.
00:09:27: Ein
00:09:28: Teil ist ja, wie die Sachen aussehen wenn wir sie fotografieren.
00:09:31: Ein anderer Teil ist was auch sehr stark aus den Social Media kommtes am Packing.
00:09:35: Da hat man sich ja auch einiges von der Mode abgeschaut im Foodbereich.
00:09:39: Die wurde Olivenöl, Pralinen, Kaffee, der dann plötzlich wunderschön verpackt kommt wie in die Ohr oder Gucci-Schmuckstück.
00:09:47: Wann hat denn Food angefangen dieses Unboxing aus der Mode zu übernehmen?
00:09:52: Auch eine Mode ist es noch gar nicht so alt dass das einen so hohen Stellenwert bekommen hat.
00:09:58: also das heißt diesen Durchbruch würde ich ungefähr einen Zwei-Tausend-Zwanzig ansiedeln.
00:10:05: Und der Guru für diese Herangehensweise war ja Virgil Abloh, der Kreativdirektor von Louis Vuitton Ommen war.
00:10:12: Also er hat es eben wirklich auf den Punkt gebracht.
00:10:15: Er hatte in seinem Vortrag so eine Kerze hochgehalten die ihn einer zerbeulte Blechdose eingegossen war.
00:10:21: Das war eben das Design und hat gesagt, okay ich kann diese Kerze in einen weißen Galerieraum stelle dann wird man sie für ein Kunstwerk halten.
00:10:29: wenn ich sie aber wenn Sie jetzt in einer Autowerkstatt rumfliegt würde man sich für Müll halten.
00:10:35: Das heißt für mich als oder für uns als Designer habe ich gesagt Ich kann meine Zeit darauf verwenden diese Kerzen zu gestalten oder ich kann meinezeit daran und gerade meine Kapazitäten da aufrichten den Raum Zugestalten, in dem diese Kerze steht.
00:10:48: Und das ist etwas was eine Strategie oder einer herangehensweise an Produkte die seitdem einen unglaublichen Siegeszug erlebt hat sowohl in der Mode als auch in der Foodbranche.
00:11:00: also wo man in der mode zum Beispiel extrem banale Produkte wie Jogginghosen oder Sweatshirts oder T-Shirts durch einen neuen Kontext enorm aufwerten konnte und dadurch eben auch Preise verlangen konnte für diese banalen Produkte, die man sonst niemals hätte verlangen können.
00:11:17: Und da durch seine Marge in enormem Steigern konnte.
00:11:20: das eine Strategie, die natürlich auch in der Foodbranche funktioniert.
00:11:25: Es ist ja wirklich nicht mehr dasselbe Produkt.
00:11:26: also wenn ich jetzt so einen einem hier zum Beispiel ein Bacci di Perugia ansehe und ein Ferrero-Küßchen ... Ja es ist eigentlich vom Inhalt das gleiche Produkt, aber allein durch die Verpackung und durch die Darreichungen bekommt er seinen völlig anderen Charakteren und spricht auch ganz andere Zielgruppen an.
00:11:46: Und das Erlebnis wird ein ganz anderes.
00:11:48: Also diese ist
00:11:49: verlogen?
00:11:50: Ich finde nicht.
00:11:51: Man darf, muss, soll Produkte auf Foodprodukte oder jedes Produkt auch so ganzheitlich betrachten.
00:11:56: Also dieses Erlebnis oder das was man so verschwobelt wird wenn man von der Customer Journey spricht und dann schließt es halt all das ein.
00:12:05: also ich meine dass ist so als ob man sagt wenn ich jetzt mein Restaurant schön einrichte dann ist es verlogen.
00:12:09: also das heißt also spielt eine Rolle und natürlich kann man dadurch auch den Menschen zum Teil Dinge für mehr verkaufen, als sie eigentlich sind.
00:12:19: Das stimmt also das erfordert dann auch ein gewisses selbstständiges kritisches Denken vom Konsumenten von der Konsumentenseite da eben nicht total zum Opfer dieser Dynamik zu werden.
00:12:31: Könnte man sagen die Foodbranche hat von der Verlogenheit der Modebranche gelernt?
00:12:36: Ja, das kann man so sagen.
00:12:37: Aber ich meine wenn du jetzt über Unboxing sprichst also dass... Ich glaube in einem bahnbrechender Moment in dieser ganze Dynamik war ja auch die Elektrobranche, also die iPhone-Verpackung, die glaube ich mit einer Raffinesse ausgeschüftelt war wie kaum je eine Verpackung zuvor, also in Bezug auf den Unterdruck der entsteht, weil man den Deckel von dem Unterteil abhebt und so weiter eine Verlogung hat jetzt nur aus der Modebranche kommt, sondern die auch in anderen Konsumgüterbranchen ausgereizt wird.
00:13:11: Gucken wir uns mal die Medaille von einer anderen Seite an.
00:13:14: also bisher ging es ja sehr stark wie die Richtung Mode Food funktioniert.
00:13:19: Jetzt würde mich schon interessieren man sieht ja durchaus auch mal eine Chips Tüte als eine Ledertasche oder eine Tomate als eine Tasche ein Burger als Strassobjekt.
00:13:29: Was steckt denn da gestalterisch dahinter, bzw.
00:13:32: psychologisch?
00:13:33: Warum finde ich den Food plötzlich auch auf dem
00:13:36: Laufsteg?".
00:13:37: Also die Beispiele, die du jetzt genannt hast sind eigentlich besonders spannend weil sie nicht nur zeigen wie Dinge, die sowieso schon uneingeschränkt positiv bewertet werden also im Lebensmittelbereich dann eben dass man sozusagen den Image-Transfer sucht von einem positiv aufgeladenen Lebensmittel und damit versucht auch modische Produkte positiv aufzuladen sondern dass es irgendwie ein bisschen komplexer ist und spannender ist.
00:14:02: Und gerade dieses Beispiel, was du genannt hast diese Handtasche oder diese Clutch in Form einer Chipstüte von Balenciaga hat eine sehr erhellende Vorgeschichte weil die Background-Story ist das der Kreativdirektor von Balanciaga Demna einfach so zufällig auf einer Party fotografiert wurde mit einer Chipstyte entahnt und dieses Bild auf Social Media gelandet und es ist viral gegangen, hat also erstaunlich viel Aufmerksamkeit und Kommentare bekommen.
00:14:35: Und in dem Moment ist Emna klar geworden dass wir in einer Gesellschaft leben die so geprägt ist von Selbstoptimierung, von Schönheitswahn, von Schlankheizwahn das Chips zu essen in der Öffentlichkeit schon ein Tabubruch ist und ein kleiner aufreger ist Und unglaublich für überraschend viel Aufmerksamkeit.
00:14:55: Weil das sein großes Talent ist, diesen Instinkt für Aufmerksamkeit hat er das sofort aufgegriffen und in ein Produkt umgewandelt, nämlich eine Handtasche die aussieht als Operment mit einer Chips-Tüterung läuft.
00:15:08: Das Gleiche ist ja auch bei den anderen Beispielen wenn du sagst einen Burger also was fast food ist.
00:15:12: Das Status Symbol oder natürlich bei Lueve diese Tomaten Duftkerzen oder Parfons wo man eigentlich traditionell ja immer versucht hat den preis eines parfums auch ein bisschen darüber zurechtfertigen dass man sehr hochwertige und teure zutaten.
00:15:28: also Nachweis, jetzt sind hier schwarze Orchideen verarbeitet worden oder irgendwas ganz seltenes Wertvolles und hier nimmt man eigentlich etwas sehr kostengünstiges wie eine Tomate.
00:15:38: Etwas eigentlich banales und macht daraus ein paar Formen was dann irgendwie vierhundert Euro kostet.
00:15:43: oder einer Luftkerze, ein Luxus-Duftkerze und das ist glaube ich auch für die Foodbranche interessant.
00:15:51: Oder was sie zum Teil noch gar nicht so sich selbst... bewusst gemacht hat ist dieses Potenzial zur Provokation und das was im so edgy ist der tabu bruch, der bei bei mode eben auch immer eine große Rolle spielt um ja in dieser aufmerksamkeitsökonomie sich im Grunde ja auch die Foodbranche bewegt, also auch ohne sich dessen vielleicht bewusst zu sein.
00:16:13: Das heißt wenn man es gab in Hamburg mal eine Eisdiele, die hat vollkommen absurde Geschmacksrichtungen ins Sortiment aufgenommen und man macht jetzt eine Eissorte, die nach Motoröl schmeckt dann bekommt man plötzlich wahnsinnig viele Presse und alle kommen hin und wollen sich das ansehen und am Ende ein Vanille-Eis.
00:16:35: aber man hat erstmal von dieser Aufmerksamkeit ... profitiert, die dieses eigentlich absurde Produkt generiert hat.
00:16:43: Aber wer kauft denn das absolute Produkt?
00:16:45: Also wer kauf den das Tomatenflakot?
00:16:48: Gibt's da Leute, die dann sagen, da knall ich jetzt sechshundert Euro hin und dann lache ich zu Hause welchen Tomate im Badezimmer
00:16:54: stehen?
00:16:55: Das ist extrem erfolgreich.
00:16:58: aber auch selbst wenn es nicht gekauft wird, dass es eben etwas für was in der Modebranche so selbstverständlich ist, dass man sagt okay man macht nur Modenschau... Da werden Dinge gezeigt, von denen man vorn vornherein weiß dass sie nicht in Serie gehen und verkauft werden.
00:17:14: Diese Teile, aber dann könnte man natürlich sagen okay warum spart man sich die nicht einfach?
00:17:20: Nein weil diese Produkte wieder dazu führen das die anderen Produkte gekauft werden Also die Aufgleichskrappigkeit, die man damit generiert.
00:17:28: Und da sind wir wieder bei dem Eis mit dem Eisortiment im Motorölgeschmack.
00:17:32: Das heißt es geht nicht darum das Eis mit den Motoröl Geschmack zu verkaufen sondern darüber wieder andere Dinge zu verkauen.
00:17:40: und das ist eine Strategie in der Modebranche, die über die Modeleuten vollkommen in Fleisch und Blut übergegangen ist und die in anderen Branchen für andere Branchen total absurd und dekadent auch kontrahintuitiv ist.
00:17:53: Ein Redakteur hat mir mal gesagt von einem Food-Magazin.
00:17:56: Reis kommt zu mir nicht ins Magazin, weil das schaut aus wie Maben und auch keine Fischorgen und so.
00:18:01: Das will er alles nicht aber vor allem kein Reis.
00:18:03: wegen des Marbenthemas gibt es im Modebereich vielleicht auch so Lebensmitteln die überhaupt nicht funktionieren würden.
00:18:10: also gibts da eine Grenze zwischen appetitlich und unappetitlich.
00:18:14: oder würdest du sagen jeder kam seinen Gulaschtäschchen Entlang des Kuhdammstragens.
00:18:21: Da sind wir wieder bei diesem Provokationsthema und mir fällt dann natürlich, wo du es sagst jetzt Gulasch-Taschen sofort immer auch ein konkretes Beispiel ein nämlich dieses Kleid aus rohen Kotlets was Lady Gaga mal für einen Fotoshooting getragen hat oder für einen öffentlichen Auftritt getragen haben, wo man natürlich auch bewusst diese Ekelgrenze überschritten hat.
00:18:43: und auch da wieder, muss man sagen trotzdem ein gelungener PR-Q.
00:18:50: Und es hat sich trotzdem durchgelohnt weil man es geschafft hat dadurch diese Aufmerksamkeit zu generieren.
00:18:57: und deshalb sind dieser Tabu-Brüche eingeplant und werden bewusst eingesetzt im Mode Marketing.
00:19:04: Also gerade in den letzten Jahren, wo wir gesehen haben, ist das eben gerade dieser Effekt über den ich eben sprach, dass wir in solchen Gesellschaften leben, dass ungesunde Ernährung schon zum Tabubruch geworden ist – und das wurde auch ausgereizt.
00:19:15: Man sah plötzlich sowohl bei Luxusmarken als auch bei Billigmarken wie H&M Models in den Kampagnen vom Frittessen Gerade weil es so ein bisschen gegen den Strich gebürstet ist, oder gegen den Zeitreis geht.
00:19:29: Also das sind dann Momente über die Dinge, wo Menschen stolpern, wo sie hängen bleiben.
00:19:34: Jetzt sagen wir mal ich bin die Rügenwalder Mühle und sag, ah ledigaka, so eine Sauerei mit diesen Fleischkottelettes und diesen Steaks.
00:19:42: Ich möchte jetzt dass meine veganen Schinkenspicker da getragen werden Oder dass mein Rügenwalter-Mühle-Logo auf dem Laufsteg landet.
00:19:50: Was müsste ich denn als Lebensmittelmarke mitbringen?
00:19:54: abgestimmt mit den Herstellern statt?
00:19:56: Ja, das ist eine interessante Frage.
00:19:57: Weil diese Kooperationen, die ja doch regelmäßig stattfinden zwischen Modemarken und Lebensmittelmarken – ich glaube dass sie zum Teil tatsächlich von den Lebensmittelmarken initiiert werden aber zum Teil oder eben zum größten Teil bisher noch von den Modemarken ausgehen.
00:20:13: also das heißt in dem Fall was über das wir eben, den wir eben sprachen jetzt bei der Chips-Tüte da hat man sich nach diesem viralen Foto von dem Kreativ direkt damit der Chipszüte genau an die Chipsmarke gewendet, die er da auch tatsächlich... der da fotografiert worden war.
00:20:31: Aber ich glaube, dass das inzwischen auch Lebensmittelketten wie Aldi oder Lidl bewusst suchen diese Nähe zur Mode und Pringles, sodass die von sich aus solche Dinge initiieren.
00:20:43: gucken wer passt zu uns?
00:20:45: Mit wem könnte sowas Spaß machen?
00:20:47: und wer springt darauf an auf diese
00:20:49: Kooperation?".
00:20:50: Was können sie denn mit Mode zeigen was Sie jetzt nur mit Ihrem Essen alleine nicht zeigen könnten.
00:20:56: Also manchmal ist es ja auch, dass sie ihr Image korrigieren können oder auch etwas was vielleicht negativ besetzt ist in etwas Positives umwandeln können.
00:21:05: Und das ein gutes Beispiel dafür wäre zum Beispiel Aldi.
00:21:07: also wenn jetzt so man sagt okay das ist oder Lidl das sind eigentlich Discounter wo es auch für manche Leute vielleicht sogar Scham besetzt is da so einzukaufen und billig darauf angewiesen zu sein so billig einzukauen indem man das mit sehr... Jugendlichen Themen in der Mode verbindet, also mit jungen Leuten oder mit den jungen Marken kann man etwas in die positive Richtung drehen.
00:21:31: Dass man sagt okay das hat etwas Jugendliches so wie einen Jugendlichen Charme auf einem Bett zu schlafen aus Europaletten.
00:21:44: Ist natürlich einerseits aus der Not geboren oder das ist irgendwie prekär, aber andererseits hat es auch eine Coolness.
00:21:50: und was Jugendliches.
00:21:52: Und das gelingt sehr gut!
00:21:54: Dass man damit kokettiert – also wie die Mode damit spielerisch umgeht und kokettieren kann.
00:22:00: So können solche Marken, Lebensmittelmarken eben auch ihr Image problematischer Aspekte ihres Images vielleicht positiv umwerten.
00:22:10: Also wäre das echte Inkooperation und mit Adidas wär dann nicht mehr beim Opa angesiedelt, so man plötzlich bei den Enkelkindern.
00:22:16: Zum Beispiel?
00:22:16: Nur es ja auch zum Teil ist wenn man die Werbung sich überlegt.
00:22:22: Spannender Aspekt!
00:22:23: Ich freu mich gerade da geht's ja auch ein Stück weit darum irgendwo dazuzugehören zu einer Gruppe, zu einer Szene oder umgekehrt sich von bestimmten Themen abzugrenzen.
00:22:36: was glaubst du denn?
00:22:36: is da der Antrieb?
00:22:38: Sicher ist ja, der Wunsch dazu zu gehören immer stärker und das spielt auch bei Ernährung eine immer größere Rolle diese performative Ernährungen um diesen Modebegriff mal hier so einzubringen.
00:22:52: Wir hatten es eben schon mit dem Kaffee trinken, dem Matcha trinken.
00:22:57: Bedürfnis, dazu zu gehören ist sehr stark.
00:23:00: Und die Kehrseite, also die Angst nicht mehr dazugehören spielt in unserer Gesellschaft eben auch gerade eine sehr große Rolle sozusagen dass die Angst bestimmter Leute mit ihrem ihre Ernährung und damit auch Mit ihrem Lebensstil gefühlt aus der aus der Mitte der Gesellschaft verdrängt zu werden und sich am Rand der Gesellschaft wiederzufinden.
00:23:26: Das klingt jetzt so abstrakt, aber was ich damit meine ist dass diese Leidenschaft mit der in der Politik im Ernährung aufgegriffen wird damit zu tun hat.
00:23:34: das heißt wenn Markus Söder, jetzt eben unter dem Hashtag Söda ist öffentlich dauernd Bratwürste und Döner sich reinstopft und sich dabei filmt.
00:23:45: Dann geht es ja um viel mehr als darum zu zeigen, dass sie ein bisschen schmeckt, sondern das wird in einem Kulturkampf aufgemacht.
00:23:52: Und wenn Robert Habeck dann Kontert und ihm Fetischhaft des Wurstgefresse vorwirft, also das heißt, dann denkt man warum Das sind doch erwachsene Männer und das ist ein gestandener Politiker.
00:24:03: Warum geht es da eigentlich?
00:24:05: Aber es geht darum, die Angst eben des bestimmter Lebensstil der akzeptiert war, der einem eine Zugehörigkeit gesichert hat vielleicht plötzlich dazu führen könnte dass man sich ausgestoßen fühlt.
00:24:17: Aber zuerst ist doch die Mode da.
00:24:18: Also in der Früh zieht es sich ja mal dann den Lodenmantel an oder auch Frau Weidel vielleicht das Drachtenkostümchen und anfangen sehr an gegen vegane Würste zu
00:24:28: werden?
00:24:29: Ja, oder dann schreit wo du jetzt das auch weidell, ich lasse mir meinen Schnitzel nicht nehmen.
00:24:35: also wenn man das ganze Europaparlament dazu bringt sich mit etwas zu befassen was einfach... mit einem Gesetzesentwurf zu befassen, der ein Problem löst das gar nicht existiert.
00:24:47: Nämlich die irreführende Bezeichnung von Fleischersatzprodukten, die ja gar kein Problem ist weil sie ja keinen Schaden anrichtet.
00:24:56: aber dass man diese Themen sind so deshalb wird es leidenschaftlich und so groß also hoch aufgehängt Weil damit die Angst verbunden ist, dass man nicht aus Versehen ein veganes Produkt ist sondern die Angst dass man das eigene Verhalten plötzlich der sozialen Echtung anheimfallen könnte und dann plötzlich sozusagen ja ausgestoßen, verstoßen fühlt.
00:25:23: Und das ist eine ganz große Angst und insofern deine Ausgangsfrage ist was es stärker der Wunsch dazuzugehören oder sich abzugrenzen.
00:25:37: Dazu zu gehören ist es sehr, wir sind sehr soziale Tierchen die das Rudel suchen und wahnsinnige Angst haben aus dem Rudel verstoßen zu werden.
00:25:49: Aus Sicht der Mode- und Lebensmittelmarke könnte das jetzt natürlich bedeuten ich sage ich möchte möglichst niemanden ausschließen.
00:25:57: Ist eine Positionierung oder dem Motto Ich bin da für alle?
00:26:02: Ist das heute überhaupt noch möglich?
00:26:04: Ich würde davon abraten.
00:26:05: Also ich denke, dass das trotz allem natürlich versucht man aus der Nische rauszukommen und eine große Zielgruppe zu erreichen.
00:26:11: aber ich glaube immer wenn man versucht es allen recht zu machen macht man's am Ende niemandem mehr so wirklich recht.
00:26:16: also das ist einfach nicht möglich.
00:26:18: also das für zu einer Verflachung des Produktes die wo man dann am ende einen produkt hat mit dem sich niemand mehr identifizieren kann.
00:26:25: und da sollte ja eigentlich das ziel sein dass man den menschen etwas bietet womit sie sich identifiziert können.
00:26:32: Wenn ich mir jetzt einen Trainingsanzug vom Lidl-Coff, No Name.
00:26:36: Womit identifiziere ich mich denn dann oder wozu bekenne ich mich in den Daumen?
00:26:40: Wenn man über Mode spricht und so, darf man natürlich nicht vergessen das ist das Grote... Also Mode mit großem M also Mode die, wo man mit der man kommuniziert oder was über sich aussagt irgendwie auch identitätsstiftend ist dass das sowieso nur für die Hälfte der Menschen ein Thema ist, also die andere Hälfte der Menschheit für diese Kleinung einfach nur eine Problemlösung.
00:27:02: Die wollen möglichst wenig Gedanken und Zeit darauf verwenden und für sie gibt es natürlich auch Angebote wie einen doggingen Anzug beim Lidl.
00:27:12: Also es kann ja auch sein, dass ich nicht sage, was ich interessiere.
00:27:14: Ich könnte auch sagen, ich habe es nicht notwendig ein
00:27:16: Gucci-Training-Anzug
00:27:18: zu tragen weil... ...ich bin als Persönlichkeit Gucci genug.
00:27:24: Ja das ist so eine Selbstüberschätzung die sehr verbreitet ist.
00:27:27: also dass man sozusagen das Menschen von sich behaupten, dass sie Trends nicht folgen oder dass sie bestimmte Dinge nicht für andere kaufen und auch das versuchen Sie oft dadurch zu belegen kaufen, die aber kein Logo hat oder so.
00:27:44: Aber das ist eigentlich... man belügt sich da selbst und das zeigt sich insbesondere auch darin.
00:27:50: also bleiben wir mal bei solchen Handtaschen.
00:27:53: Also wenn sie keinen Logo haben dass diese Marken auf der handtasche Verzichten eine große Mühe haben neue Formen einzuführen.
00:28:05: Das heißt wenn man nicht schon an der Form erkennen kann von welcher Marke auch nicht kaufen.
00:28:12: Das heißt, diejenigen, die von sich selbst behaupten, dass sie das nicht nötig haben und die legen eigentlich einen sehr großen Wert darauf, dass die richtigen Leute erkennen was sie da tragen.
00:28:23: Also der Lockdown war ein sehr interessantes Experiment.
00:28:29: Die Leute, die jetzt gesagt haben nein ich kauf das nicht für diese Handtasche und nicht für andere sondern ich kauft sie nur für mich selbst.
00:28:34: Ich mag schöne Dinge in dem Moment wo man zu Hause auf einem Sofa sitzt und nicht raus darf uns keinem zeigen kann weil hier noch diese Leute plötzlich jedes Interesse an Handtashen kaufen keine mehr.
00:28:45: positiv gesprochen sind wir wirklich eben sehr soziale Wesen die einfach irgendwie Feedback unserer Umwelt auch gesteuert werden.
00:28:56: Also die Frage nach dem, nach dem Little Trainings-Anzug kam nicht von ungefähr.
00:29:00: Letzten Sommer, zwanzig fünfundzwanzig als die Sängerin von Linking Park aufgetreten in Düsseldorf vor vollem Publikum im Little Training Anzug und da frage ich mich halt was ist da eigentlich passiert?
00:29:12: Ja
00:29:12: ja aber das war jetzt nicht nur ein No Name sondern der war ja als Lidl Merch gekennzeichnet.
00:29:19: und das wieder dieses Spiel mit den sozialen Codes.
00:29:22: Und die Provokation, dass brechen.
00:29:25: also so wie da sind wir eigentlich gar nicht mehr soweit von dieser Vierhundert Euro Duftkerze mit dem Tomatenduft entfernt.
00:29:32: Das heißt man also niemand Zweifel daran, dass die Sängerin von Linkin Park oder die neue Frontfrau finanziell sehr gut gestellt ist und deshalb kann sie natürlich auch damit spielen und humorvoll mit solchen Dingen umgehen.
00:29:44: Könnte es auch bedeuten, dass sie selbst dadurch ihre eigene Marke ein bisschen verheizt?
00:29:48: Ich glaube das ist eigentlich doch sehr zielgruppengerechtes.
00:29:52: Ich glaube, dass ihr Publikum das sehr cool von ihr findet, dass die das macht und über solche Dinge steht.
00:29:59: Und ich glaube da geht es auch ein Signal von Jugendlichkeit weil für junge Menschen ist es immer so ein bisschen unverständlich warum... ältere Menschen so viel Wert auf Status legen bei ihrer Kleidung.
00:30:12: Und aber je älter man wird, desto mehr Geräte man auch unter Druckstatus zu zeigen und zu zeigen.
00:30:20: ich habe in dieser Lebensphase, in der ich mich jetzt befinde einer fortgeschrittene Lebensphase das erreicht auch sozial erreicht was die Gesellschaft von mir erwartet dass sich das in diesem Stadion bereicht haben.
00:30:34: also das heißt man hat ja auch an verschiedene Altersgruppen, verschiedene hohe Erwartungen.
00:30:38: Das heißt von einem Student erwartet man einfach nicht, dass er ein schickes Auto fährt oder überhaupt eins hat und dann ab einem gewissen Alter gerät man eher unter Druck so was auch vorweisen zu können.
00:30:49: Ist es im Lebensmittelbereich würdest du sagen auch so?
00:30:51: Also darf ich dann mit Fünfundfünfzig nicht mehr zum McDonalds unten meinem Fall veganem Hotdog essen?
00:30:58: Wenn man als Student jetzt so eine So eine asiatische Instant-Nudelsuppe jeden Tag ist, dann wird das irgendwie akzeptiert und man findet es irgendwie süß und charmant vielleicht sogar.
00:31:10: Aber wenn man das mit fünfzig noch macht, dann legen die Leute schon eher auf einen Herab und finden das bedenklich.
00:31:17: Vor
00:31:18: allem wenn's ein Gesamtpaket ist.
00:31:19: Also wenn ich jetzt im Tomford Anzug sitze und eine Nudelsuper Lunch irgendwo schick an der Ecke esse, wird das wahrscheinlich anders wahrgenommen als wenn ich
00:31:30: Ja, vielleicht nicht
00:31:31: so schick gekleidet
00:31:32: werden.
00:31:32: Also wie gesagt da geht es um sehr viel und ein paar formatives Verhalten also auch im Lebensmittelbereich.
00:31:38: darum ist eine Ernährung die eben auch sehr stark auf die Außenbeanehmungen ausgerichtet ist.
00:31:47: Ich finde, wir haben jetzt sehr viel über dieses Zusammenspiel gesprochen der beiden Branchen und wie sich die so gegenseitig befruchten oder wo sie sich gegenseintig auch berühren.
00:31:56: Hast du eine Prognose, wo du sagen würdest wer am Ende mehr profitiert?
00:32:00: Die Modeseite oder die Lebensmittelseite?
00:32:03: Die
00:32:03: Foodbranche wird sehr viel mehr davon von profitieren.
00:32:05: am Ende weil die Mode braucht die Lebensmittelindustrie aber die Lebensmittelindustrie braucht die Mode nicht.
00:32:13: Und da komme ich eigentlich wieder so ein bisschen zurück auf den Anfang unseres Gesprächs, wo ich sage, ich glaube das es in Zukunft kaum noch stationären Handel geben wird.
00:32:23: Also Läden, Mode-Läden die sich leisten können auf kulinarische Angebote zu verzichten.
00:32:31: Wo man keinen nicht mal einen Kaffee bekommt oder einen Wasser, aber das wird es in der Zukunft einfach nicht mehr geben Während es natürlich Lebensmittelläden geben wird, die kein Non-Food Angebot machen müssen.
00:32:43: Das erinnert mich aber nicht.
00:32:44: Aber ich glaube auch um überhaupt noch eine ausreichend starke Anziehungskraft zu haben wird kommt Modehandel eigentlich kaum noch ohne gastronomische Angebote aus.
00:32:53: Jetzt sind wir schon fast bei deinem eigentlichen Berufsfeld, nämlich wo es darum geht Dinge zu erkennen bevor sie im Schaufenster oder im Supermarkt ankommen.
00:33:01: Also um das ganze Thema der Trends, der Zukunftsthemen wie würdest du denn sagen was wird dann ein Food Trend übrig bleiben?
00:33:08: Oder welche Food Trend haben denn das Zeug in Zukunft entscheidend oder wichtiger zu werben?
00:33:13: Hast Du da eine Einschätzung?
00:33:15: Absolut, ja.
00:33:16: Die Beschäftigung ist ja mit beidem bei DMI also sowohl für die Mode als auch mit Trendpunktnosen für Food und da gibt es eben auch sehr starke Parallelen weil beide Branchen ja darauf angewiesen sind auch bestimmte Werte oder Botschaften nonverbal rüberzubringen.
00:33:34: Und da passiert eben ganz, ganz viel über das Packaging oder die Verpackung und da gibt es einfach nur einmal ein Beispiel zu nennen.
00:33:43: Es gibt eigentlich gerade so einen sehr spannenden Trend wo man sagt leise ist das neue laut.
00:33:49: also das heißt es gibt beim Konsumenten bei der Konsumentin eine zunehmende Skepsis Lebensmittelprodukten gegenüber, die zu marktschreierisch auftreten.
00:33:59: Ein interessantes Beispiel ist die Erfolgsgeschichte eines Berliner Start-ups nämlich Koro also die eigentlich vom Packaging total unscheinbar sind.
00:34:08: Also eher so Kraftpapierartig mutet das alles an und diese sich aber in einem ganz marktscheierischen Umfeld bewegen wo alles Übermerk der Drogerie merkt, wo alles sehr laut ist.
00:34:20: Sehr kleinteilig und unübersichtlich und man sollte denken dass so ein Produkt da untergeht.
00:34:25: aber das Gegenteil ist der Fall.
00:34:27: Das heißt sie heben sich gerade dadurch ab, dass Sie eigentlich so leise sind in diesem lauten Umfeld und man hat sofort das Gefühl diesen Produkten vertrauen zu können, also ohne dass da drauf steht wir sind nachhaltig oder Wir sind clean oder so.
00:34:45: Man hat einfach nur von dieser, durch dieses Ungefärbte was ja auch kommuniziert unverfälscht ehrlich haben die etwas sehr vertrauenserweckendes diese Produkte und darauf beruht auch ein zum Teil ihr Erfolg.
00:34:58: das sind Dinge wo man einfach irgendwie lustig war.
00:35:01: Man sieht einfach auch, dass das bestimmte Branchen bestimmte Typen von Menschen anziehen.
00:35:06: Und natürlich zieht die Modebranche Menschen an, die auch Schaumschläger sind oder die sehr oberflächlich sind, also auf die Oberfläche, auf das Design achten während der Foodbranche oft... Menschen anzieht, die sehr bodenständig sind und sich so als Vermittler zwischen Landwirtschaft und Logistik und Handel sehen.
00:35:31: Und dadurch gibt es auch bestimmte Bereiche, die in bestimmten Branchen überbewertet werden oder vernachlässigt werden.
00:35:42: Das stelle ich auch in der Foodbranche fest.
00:35:47: dass die sich gar nicht so als Design-driven Company bezeichnen würden.
00:35:51: Die würden diesen Begriff gar nicht in den Mund nehmen, sondern sie sind es eben dann oft weil Packaging zum Beispiel einfach eine wahnsinnig wichtige Rolle für den Erfolg von Foodprodukten spielt.
00:36:03: Also ein weiterer Aspekt wo Food und Mode ja doch zueinander finden oder sich perfekt ergänzen?
00:36:11: Prognose wie wird sich denn das Entwicklung also Wo stehen denn Essen, Mode wenn man sich die im Zusammenspiel ansieht, in vielleicht zehn Jahren zu einander.
00:36:23: Also was natürlich nicht zurückdrehen lässt – also die Zahnpasta bekommt man nicht wieder in die Tube.
00:36:29: Dass es beides auch Instagrammable sein muss und gut aussehen muss und irgendwie auch dazu geeignet seien... sollte und wenn es Erfolg haben will, dass man damit angeben kann oder Leute beeindrucken oder neidisch machen können.
00:36:43: Ich glaube sonst ist das eben sehr schöner noch sehr spannender Kooperationen oder Partnerschaften oder Verbindungen auf uns zukommen.
00:36:51: Das was ich zuerst gesagt habe bezieht sich eher auf die Online-Welt aber in der Offline-Weld ist so sehr schön verbindung kommen wird aus Modehandel und Gastronomie wo man gemeinsam diesen sogenannten dritten Ortschaft, die jetzt damit nicht so vertraut sind.
00:37:10: Also sagt immer der erste Ort für Menschen ist das Zuhause und der zweite Ort ist der Arbeitsplatz.
00:37:16: aber die Menschen sehen sich eigentlich auch nach einem dritten, so halb öffentlichen Ort, wo sie zusammenkommen können, wo Sie unter Menschen sind oder raus kommen.
00:37:26: Und ich glaube dass die Mode und die Gastronomie gemeinsam es schaffen werden, solche dritten Orte ganz wunderschön und spannend für alle Gewinnbringen zu schaffen.
00:37:40: Wenn du jetzt eine Sache aus der Modewelt in die Lebensmittelbranche verpflanzen könntest was wäre das?
00:37:45: Ich glaube dass die Lebensmittellbranche noch öfter einfach auch wirklich... vollkommen verrückte Produkte machen sollte, von denen sie eigentlich vorher weiß dass es gar nicht darum geht sie zu verkaufen oder sie zu essen so sogar zu konsumieren sondern einfach nur um Ja einen Impuls auszusetzen und die Menschen zu bewegen.
00:38:05: Und das wird sich dann auch indirekt monetarisieren.
00:38:09: aber erst mal Einfach ein raushauen.
00:38:12: Das ist glaube ich etwas was die Lebensmittelbranche von der Mode war.
00:38:15: zu lernen
00:38:16: kann viel.
00:38:17: Vielen Dank für das Gespräch.
00:38:18: waren sehr spannende Eindrücke Auch wenn ich glaube jetzt dringend meinen Kleiderschrank entrümpeln muss, weil mein Modebewusstsein ist definitiv in den letzten dreißig Minuten gestiegen.
00:38:29: Danke dir!
00:38:33: Das war's für heute von Food Fakt.
00:38:35: Chanel hat den Laufsteg mal in einen Supermarkt verwandert das blieb hängen und seither... Und ich hoffe es geht euch nicht.
00:38:41: genauso habe ich irgendwie das Gefühl Ich bin beim Einkaufen zu schlecht angezogen.
00:38:46: Bis zum nächsten Mal werde ich also ein bisschen am Styling arbeiten, vor allem aber auch meine grauen Zellen trainieren.
00:38:52: Denn nächstes Mal wird es mal wieder etwas wissenschaftlicher!
00:38:56: Zu Gast ist Regina Bitters, die sie Vorstand lehrt an der TU München zur Lebensmitteltechnologie und pflanzlichen Proteinen.
00:39:03: Mit ihr spreche ich darüber was bei Fleisch- und Milchalternativen technologisch wirklich funktioniert – und was nicht?
00:39:10: Und über eine Frage, die mich seitdem nicht loslässt Wer entwickelt eigentlich unsere Lebensmittel wenn der Nachwuchs ausbleibt.
00:39:18: Für heute danke ich euch aber fürs Zuhören und ich sage wie jedes Mal, Baba und Servus bis zum nächsten mal!
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