#80 Ballaststoffe: Das steckt hinter dem Hype mit Daniel Wefers

Shownotes

Ballaststoffe stehen plötzlich vorn auf der Packung: auf Proteinriegeln, Brotaufstrichen, Getränken. Lange waren sie eine Randnotiz auf dem Nährwertetikett. Hinter dem Hype steckt eine echte Lücke – die DGE nennt 30 Gramm am Tag als Ziel, im Durchschnitt landen rund 20 Gramm auf dem Teller. Aber Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff. Was er im Körper bewirkt, hängt von seinem Aufbau ab. Und ausgerechnet der Stoff, der in vielen dieser Produkte steckt, ist kaum jemandem ein Begriff: Inulin.

Daniel Wefers ist Professor für Lebensmittelchemie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und forscht an genau diesen Kohlenhydraten. Im Gespräch erklärt er, was ein Ballaststoff eigentlich ist: ein Kohlenhydrat, das Magen und Dünndarm nicht spalten können. Es kommt unverdaut im Dickdarm an, wo Bakterien es fermentieren und dabei kurzkettige Fettsäuren bilden. Das ist der Teil, den man mit positiven Effekten verbindet.

Inulin steht im Mittelpunkt der Folge. Es wird vor allem aus der Chicorée-Wurzel gewonnen, steckt aber auch in Zwiebeln und Knoblauch. Daniel erklärt, wie es aufgebaut ist – als Kette aus Fructose-Bausteinen – und warum die Länge dieser Kette über alles entscheidet. Langkettiges Inulin verhält sich mit Wasser angerührt fast wie Fett, kurzkettiges schmeckt süß und taugt als Zuckerersatz. Dieselbe Kettenlänge bestimmt, wie stabil Inulin in sauren Lebensmitteln bleibt und wie gut Menschen es vertragen. Bis zu 60 Fructose-Einheiten bringt die Pflanze mit. Enzyme aus Daniels Labor bauen Ketten mit 1.000 bis 2.000.

Dazu die Fragen, die auf keiner Packung stehen: Warum „gut für die Verdauung" nicht pauschal gilt und zu viel Inulin Blähungen macht. Warum es so wenige zugelassene Health Claims für Ballaststoffe gibt und manche Hersteller es trotzdem erst einmal versuchen. Und warum niemand sagen kann, wie ein perfektes Mikrobiom aussieht.

Zum Schluss geht es in Daniels Labor. Ein einzelnes Enzym aus Milchsäurebakterien baut aus Haushaltszucker Inulin – auch direkt im Lebensmittel, zum Beispiel im Fruchtsaft. Weniger Zucker, mehr Ballaststoff, in einer Reaktion. Warum solche Ansätze trotzdem selten im Supermarktregal ankommen, erklärt er auch: Skalierung, Kosten, Novel-Food-Verordnung.

Eine Folge für alle, die wissen wollen, was sie da eigentlich essen.


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Transkript anzeigen

Stefan Fak: Lieber Daniel, servus.

Stefan Fak: Schön, dass du heute zu Gast bist.

Daniel Wefers: Ja, hallo.

Daniel Wefers: Vielen Dank für die Einladung.

Stefan Fak: Daniel, Ballaststoffe sind ja gerade in aller Munde – im wahrsten Sinn des Wortes.

Stefan Fak: Lange waren Ballaststoffe ja eher so eine Randnotiz auf dem Nährwertetikett.

Stefan Fak: Jetzt wird es plötzlich ein großes Trendthema.

Stefan Fak: Es gibt Proteinriegel, die Ballaststoffe zusätzlich ausloben, Brotaufstrich, Ballaststoffgetränke.

Stefan Fak: Und ich muss zugeben, ich frage mich schon eine Weile: Was steckt eigentlich dahinter?

Stefan Fak: Und ich freue mich, wenn wir uns heute ein bisschen mit diesem Thema beschäftigen und dem Thema ein bisschen auf

Stefan Fak: den Zahn fühlen.

Stefan Fak: Woran liegt dieser Boom aus deiner Sicht?

Stefan Fak: Was glaubst du?

Daniel Wefers: Ja, ich denke, es ist natürlich schon so, dass Hersteller mit den Ballaststoffen eine Gruppe entdeckt haben –

Daniel Wefers: oder was heißt entdeckt, sie ist schon sehr lange da, aber für sich gefunden haben –,

Daniel Wefers: wo definitiv der Fall ist, dass tendenziell von den meisten Menschen zu wenig Ballaststoffe aufgenommen werden.

Daniel Wefers: Und es wäre besser, mehr aufzunehmen.

Daniel Wefers: Und das kann man natürlich ganz gut nutzen, um Produkte dann einfach zu verbessern,

Daniel Wefers: das auch entsprechend hervorzuheben und so vielleicht zu versuchen, Menschen dazu zu animieren, die eigenen Produkte zu kaufen.

Daniel Wefers: Das ist jetzt natürlich erst mal so eine Sicht.

Daniel Wefers: Andererseits haben Ballaststoffe natürlich auch interessante Funktionalität, sodass sie eben Lebensmittel machen können.

Daniel Wefers: Und auch da ist es ja gar keine schlechte Möglichkeit, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Daniel Wefers: Und ich denke, so was wie Social Media spielt sicherlich auch eine große Rolle,

Daniel Wefers: weil das ist ja auch ein Treiber für Trends, wozu das jetzt auch definitiv zu zählen ist.

Stefan Fak: Jetzt muss ich mal ganz blöd fragen: Was ist denn eigentlich ein Ballaststoff aus deiner Sicht?

Stefan Fak: Manchmal liest man ja auch Fiber oder Faser.

Stefan Fak: Aber was genau ist es und was macht es auch so besonders?

Daniel Wefers: Ja, es gibt ja eine relativ genaue Definition, die wir jetzt hier nicht in aller Breite ausführen müssen.

Daniel Wefers: Aber ganz prinzipiell, was meistens eben unter die Ballaststoffe fällt: Das sind Kohlenhydrate, die aber im menschlichen Magen und Dünndarm

Daniel Wefers: nicht gespalten werden können von den dort sekretierten Enzymen, die also einfach einen anderen molekularen Aufbau haben,

Daniel Wefers: deswegen nicht von uns direkt zur Energie verwertet werden können und die dadurch dann eben in den Dickdarm gelangen,

Daniel Wefers: dort gegebenenfalls noch fermentiert werden können.

Daniel Wefers: Ganz generell trifft das auf wahnsinnig viele Kohlenhydrate zu, und dadurch gibt es auch eine sehr,

Daniel Wefers: sehr große Bandbreite an Kohlenhydraten, die in erster Näherung unter diesen Begriff Ballaststoffe fallen können.

Daniel Wefers: Und dadurch, dass Kohlenhydrate sehr, sehr vielfältig sind – also damit forschen wir auch –, gibt es ja auch eine ganze Reihe

Daniel Wefers: an verschiedenen Funktionalitäten, die dadurch entstehen können.

Stefan Fak: Und wenn wir jetzt sagen, Menschen sollen mehr Ballaststoffe essen – oder sagen wir mal so:

Stefan Fak: Wie viel Ballaststoffe sollen wir denn essen?

Stefan Fak: Wie weit sind denn die Menschen von ihrer täglichen Ballaststoffration tatsächlich entfernt?

Daniel Wefers: Also eine Zahl, nach der sich häufig gerichtet wird, von der DGE: Die 30 Gramm sind so das Ziel eigentlich.

Daniel Wefers: Und je nach Erhebung kann das so ein bisschen variieren.

Daniel Wefers: Aber eigentlich ist man sich einig, dass die meisten Menschen zu wenig Ballaststoffe essen,

Daniel Wefers: und was man eigentlich häufig annimmt, ist, dass der Durchschnitt bei 20 Gramm pro Tag liegt.

Daniel Wefers: Und das ist eben noch mal deutlich zu wenig.

Daniel Wefers: Man spricht auch gerne von der Fiber Gap – also Fiber hast du ja auch genannt als Begriff.

Daniel Wefers: Es ist einfach vom Englischen her: Im Englischen sind Ballaststoffe Fiber, und dementsprechend ist das auch ein Begriff,

Daniel Wefers: der dafür gerne genutzt wird, für diese ja zu geringe Aufnahme von Ballaststoffen.

Stefan Fak: Argumentiert wird ja oft mit gesunder Verdauung.

Stefan Fak: Ist der Zusammenhang so klar, wie er in der Werbung klingt?

Daniel Wefers: Ja, nicht so wirklich.

Daniel Wefers: Also gerade weil die Ballaststoffe so vielfältig sind, kann man nicht automatisch sagen: Ich esse irgendeinen Ballaststoff mehr,

Daniel Wefers: und dadurch wird meine Verdauung gesünder.

Daniel Wefers: Also da gibt es so vielfältige Effekte, die es machen kann, und ich weiß nicht,

Daniel Wefers: der eine oder die andere wird es erlebt haben: Falls man mal wirklich zu viel von manchen Ballaststoffen isst oder

Daniel Wefers: ballaststoffreichen Lebensmitteln, Hülsenfrüchte oder Ähnlichem, dann kann man auch schnell merken, dass das auch mal unangenehm werden kann.

Daniel Wefers: Wenn eben das Verdauungssystem, also auch der Dickdarm, dann nicht so richtig darauf angepasst ist oder nicht so daran gewöhnt

Daniel Wefers: ist, dann kann das auch schnell mal zu Beschwerden führen wie Blähungen und so weiter.

Daniel Wefers: Also so pauschal kann man es dann nicht sagen, aber es ist schon so,

Daniel Wefers: dass man relativ eindeutig weiß, dass eben diese 30 Gramm oder vielleicht auch mehr doch schon positive Auswirkungen haben.

Daniel Wefers: Alles so ein bisschen mit Maß und Mitte.

Stefan Fak: Du hast ja gerade gesagt, Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff.

Stefan Fak: Lass uns deshalb vielleicht mal ganz genau einen unter die Lupe nehmen.

Stefan Fak: Einen, der es in den letzten Jahren von der Chicorée-Wurzel kommend bis auf die Vorderseite vieler Verpackungen geschafft hat:

Stefan Fak: das Inulin.

Stefan Fak: Woher kommt denn das?

Stefan Fak: Warum steckt es heute in so vielen Lebensmitteln drinnen?

Daniel Wefers: Ja, das Inulin ist wirklich ein sehr interessanter Ballaststoff.

Daniel Wefers: Es ist auch schon sehr lange unterwegs, wie du gesagt hast.

Daniel Wefers: Es kann aus Chicorée zum Beispiel gewonnen werden oder wird daraus viel gewonnen, kommt aber auch in anderen verwandten Pflanzen

Daniel Wefers: vor.

Daniel Wefers: Also Zwiebeln zum Beispiel enthalten auch Inulin, oder Knoblauch.

Daniel Wefers: Und das Inulin ist einfach schon recht gut untersucht, auch zum Effekt, was es so zum Beispiel auf die Mikrobiota

Daniel Wefers: hat.

Daniel Wefers: Also da hat man eben schon sehr viele Versuche gemacht und eben gesehen: Ja,

Daniel Wefers: wenn man das Inulin oder die daraus abgeleiteten Fructooligosaccharide – Begrifflichkeit manchmal etwas unscharf,

Daniel Wefers: was das betrifft – aber wenn man das eben aufnimmt, kann das die Anteile an Bifidobakterien steigern,

Daniel Wefers: und man nimmt an, dass das eher positiv ist.

Daniel Wefers: Also man spricht dann gerne von Präbiotika.

Daniel Wefers: Bei Präbiotika hat man eben das: Wenn ein Stoff, ein Kohlenhydrat, ein Ballaststoff selektiv von manchen guten oder in Anführungszeichen

Daniel Wefers: „guten" Mikroorganismen genutzt wird und positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Wirtes hat – also des Menschen,

Daniel Wefers: der das verzehrt –, dann spricht man gern von Präbiotikum.

Daniel Wefers: Und da gibt es beim Inulin eben ja schon recht viele Untersuchungen.

Daniel Wefers: Ja, daher kommt das dann eben.

Stefan Fak: Du hast gesagt Chicorée, Topinambur, vielleicht auch Agave.

Stefan Fak: Also wie wird denn Inulin eigentlich gewonnen?

Stefan Fak: Ist das ein aufwendiger Prozess?

Stefan Fak: Ist das simpel?

Stefan Fak: Wie stellt man das an?

Daniel Wefers: Wenn man aus den Pflanzen das gewinnt, dann kann man das tatsächlich, ja, vergleichsweise einfach,

Daniel Wefers: würde ich sagen.

Daniel Wefers: Es ist einfach, wenn man Lebensmittelzutaten herstellt, würde ich mal sagen.

Daniel Wefers: Ich glaube, da würden die meisten zustimmen, die es machen.

Daniel Wefers: Aber man kann das im Prinzip wässrig extrahieren aus der Pflanze und diesen wässrigen Extrakt dann noch aufreinigen,

Daniel Wefers: also Begleitstoffe noch entfernen, und so dann auch ein relativ reines Produkt erhalten, was man als Lebensmittelzutat dann verwenden kann

Daniel Wefers: oder noch weiter bearbeiten kann, zum Beispiel mit Enzymen, um die Größe dieser Inulin-Polymere zu verkleinern oder zu verringern.

Stefan Fak: Gibt es einen Unterschied, je nachdem, was der Ausgangsstoff war, also ob es jetzt Agave oder Chicorée war?

Daniel Wefers: Ja, eigentlich was, was häufig ein wichtiger Faktor ist: Wenn wir uns jetzt mal vorstellen,

Daniel Wefers: das ist ja ein komplexes Kohlenhydrat, was sich aber grundsätzlich erst mal aus einem sehr bekannten Zucker ableitet,

Daniel Wefers: dem Haushaltszucker, der Saccharose.

Daniel Wefers: Diese Saccharose besteht ja aus Glucose und Fructose, die miteinander über eine bestimmte Verknüpfung verbunden sind,

Daniel Wefers: diese beiden Bausteine.

Daniel Wefers: Beim Inulin ist dann einfach an der Fructose, diesem einfachen Baustein, sind noch ganz viele weitere Bausteine angehangen.

Daniel Wefers: Ganz viele weitere Fructosen, alle über eine bestimmte Verbindung, die β-2,1-Verknüpfung.

Daniel Wefers: Und jetzt kommt es für die Eigenschaften, die so ein Inulin hat, auch stark darauf an:

Daniel Wefers: Wie viele Fructose-Bausteine hängen da dran?

Daniel Wefers: Hängen da zehn dran?

Daniel Wefers: Zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig?

Daniel Wefers: Und das kann sich durchaus unterscheiden zwischen verschiedenen Pflanzen und kann auch während der Verarbeitung zum Beispiel modifiziert werden oder

Daniel Wefers: während der Lagerung, durch das Erntejahr vielleicht auch.

Daniel Wefers: Also da gibt es dann schon deutliche Unterschiede.

Daniel Wefers: So vom molekularen Aufbau ändert sich da jetzt nicht groß was.

Daniel Wefers: Aber dieser sogenannte Polymerisationsgrad – das heißt einfach, wie viele Bausteine sind zusammengehangen –, das kann durchaus variieren.

Stefan Fak: Gibt es auch Unterschiede – aber nimmt das dann mehr Wasser auf?

Stefan Fak: Oder ist dann das Gummibärchen, wo Inulin drinnen ist, zarter?

Stefan Fak: Oder merke ich es gar nicht?

Stefan Fak: Oder ist es einfach vielleicht auch billiger aus der Wurzel?

Daniel Wefers: Ja, also es kommt immer darauf an, wie man – also zu den Preisen kann ich jetzt nicht so viel sagen.

Daniel Wefers: Da müsste man die wirklich fragen, die es herstellen, die haben da wahrscheinlich ihre Vorstellungen.

Daniel Wefers: Aber ich sag mal, wenn man das entsprechend skaliert hat und die Wertschöpfungsketten etabliert hat,

Daniel Wefers: ist es natürlich auch so ein Faktor.

Daniel Wefers: Man kann es nicht von jetzt auf gleich woanders rausgewinnen, würde ich mal sagen.

Daniel Wefers: Und das kann sich natürlich schon auch bemerkbar machen.

Daniel Wefers: Je nach Anwendung aber, würde ich sagen, im Prinzip hat man bei Inulin ja mehrere Funktionalitäten,

Daniel Wefers: die man erzielen kann.

Daniel Wefers: Wenn man das polymere Inulin hat, kann man das zum Beispiel mit Wasser so anrühren,

Daniel Wefers: dass es sich ein bisschen wie Fett verhält, und damit ein bisschen Fett ersetzen.

Daniel Wefers: Man kann aber auch einfach so, wenn das gut gelöst ist, das einfach zur Ballaststofferhöhung verwenden,

Daniel Wefers: vielleicht auch in etwas geringeren Anteilen.

Daniel Wefers: Wenn man das dann wirklich eher zu kleineren Bruchstücken verarbeitet, also wirklich so, dass es nur noch ein paar Bausteine

Daniel Wefers: an diesem Grundkörper sind, dann hat das auch so einen süßen Geschmack.

Daniel Wefers: Also lässt sich dann auch als Zuckerersatz verwenden, weil es dann eben noch so einen gewissen Süßgeschmack hat,

Daniel Wefers: so ein gewisses Mundgefühl vermittelt, und dadurch macht sich das natürlich alles bemerkbar.

Daniel Wefers: Aber es ist auch so, dass es da sicherlich noch viel zu entdecken gibt,

Daniel Wefers: was genau was jetzt bewirkt, in welcher spezifischen Produktformulierung.

Daniel Wefers: Weil es ist gar nicht so einfach – das sage ich als jemand, der sich damit beschäftigt –,

Daniel Wefers: das immer so ganz genau zu analysieren: Was hängt mit was zusammen, in welchem Kontext?

Stefan Fak: Was sind denn so die echten, offenen Fragen, wo sich die Forschung vielleicht auch die Zähne ausbeißt,

Stefan Fak: im Zusammenhang mit Inulin?

Daniel Wefers: Also was zumindest gerade ein großes Thema ist: Wie stabil ist das denn?

Daniel Wefers: Also das ist auch was, mit dem wir uns beschäftigen, unter anderem.

Daniel Wefers: Wenn ich jetzt so ein Inulin habe – man weiß von diesen aneinandergeketteten Fructose-Bausteinen, dass diese Verbindung zwischen den einzelnen Bausteinen,

Daniel Wefers: sagen wir im Vergleich zu anderen Ballaststoffen, nicht die stabilste ist.

Daniel Wefers: Das heißt, wenn ich da zum Beispiel ein saures Lebensmittel habe, kann es sein,

Daniel Wefers: wenn ich dann noch vielleicht ein bisschen Hitze habe oder das lange lagere, dass diese Bindung aufgeht.

Daniel Wefers: Und dann habe ich eben nicht mehr ein Inulin, sondern habe vielleicht irgendwann, wenn das mal passiert,

Daniel Wefers: nur noch Zucker, weil die Fructose, wenn sie frei vorliegt – das ist einfach Zucker.

Daniel Wefers: Den nehme ich auf und gewinne daraus Energie, was beim Inulin ja nicht funktioniert.

Daniel Wefers: Also sozusagen der Benefit ist, das kommt ja in den Dickdarm und wird dort fermentiert.

Daniel Wefers: Und das ist gerade durchaus, denke ich, eine spannende Frage.

Daniel Wefers: Damit verknüpft ist natürlich auch, wenn so was passiert – und auch da wieder: Man muss erst mal irgendwie herausfinden,

Daniel Wefers: was passiert da.

Daniel Wefers: Und dann kann man sich damit beschäftigen: Was bedeutet das?

Daniel Wefers: Wenn so was passiert, hat es vielleicht auch Auswirkungen darauf, welche technofunktionellen Eigenschaften oder wie die technofunktionellen Eigenschaften des Inulins

Daniel Wefers: dann noch sind im Lebensmittel.

Daniel Wefers: Ja, also das ist sicher ein wichtiges Feld.

Daniel Wefers: Und gerade auch dieses Thema, wie beeinflusst ein bestimmter Ballaststoff das Mikrobiom von Menschen,

Daniel Wefers: ist natürlich eine fortwährend vielbeforschte Frage, die aber auch wahnsinnig komplex ist, weil das Mikrobiom individuell so unterschiedlich ist.

Daniel Wefers: Niemand weiß so richtig: Wie sollte ein perfektes Mikrobiom aussehen?

Daniel Wefers: Bei dem einen Menschen ist es so, der ist kerngesund, beim anderen ist es so,

Daniel Wefers: der ist kerngesund – und muss sich dann was verändern?

Daniel Wefers: Was ist gut, wenn ich was verändere?

Daniel Wefers: Inulin kann da sicher eine Rolle spielen, auch von dem, was man weiß, dass das positiv verändert.

Daniel Wefers: Aber wie der Effekt dann bei verschiedenen Menschen ist, das ist sicherlich noch etwas offene Frage,

Daniel Wefers: die sicher noch viel beforscht werden wird.

Stefan Fak: Weiß man, was mit dem Inulin passiert auf dem Weg durch den Verdauungstrakt, oder ist das auch noch nicht erforscht?

Daniel Wefers: Na ja, also im Magen und Dünndarm bleibt es größtenteils intakt.

Daniel Wefers: Kann natürlich schon mal sein, dass eine Bindung oder so aufgeht, aber man weiß,

Daniel Wefers: dass es größtenteils intakt im Dickdarm ankommt.

Daniel Wefers: Und dort wird es dann eben von den Bakterien – die haben dann eben Enzyme.

Daniel Wefers: Im Gegensatz zu uns, unserem Dünndarm, haben die Bakterien im Dickdarm dann Enzyme, die das Inulin spalten können,

Daniel Wefers: und aus der freigesetzten Fructose können sie dann eben Energie gewinnen.

Daniel Wefers: Und im Zuge der Energiegewinnung produzieren die dann auch so kurzkettige Fettsäuren.

Daniel Wefers: Und da weiß man dann eben auch, dass die relativ positiv zu sehen sind,

Daniel Wefers: wenn die im Darm produziert werden können, die über die Darmwand wieder aufgenommen werden,

Daniel Wefers: haben da verschiedene Effekte in den Zellen.

Daniel Wefers: Und das assoziiert man eigentlich mit positiven Effekten.

Stefan Fak: Sag mal, aber ich meine, ich habe vorhin das Gummibärchen recht erfrischend genannt.

Stefan Fak: Gibt es denn andere Lebensmittel – oder welche anderen Lebensmittel gibt es denn noch, wo Inulin heute eingesetzt wird?

Daniel Wefers: Ja, also, es gibt – also gerade bei den Gummibärchen, ich weiß gar nicht, ich habe jetzt zumindest kein Produkt im

Daniel Wefers: Kopf.

Daniel Wefers: Man ist bei Inulin auch manchmal ein bisschen vorsichtig mit der Menge, einfach weil man weiß,

Daniel Wefers: dass, wenn man viel Inulin aufnimmt – oder eher so die kurzkettigen Fructooligosaccharide –, dass die dann bei wirklich übermäßigem Konsum eher

Daniel Wefers: diese unangenehmen Symptome machen, also dass die für manche Menschen nicht so perfekt verträglich sind.

Daniel Wefers: Ansonsten gibt es auch schon zum Beispiel den Einsatz in Keksen, wo man dann einfach einen Teil des Zuckers weglässt

Daniel Wefers: und gegen das Inulin ersetzt.

Daniel Wefers: Man kann es zum Beispiel in Milchprodukten auch manchmal finden, wo es dann natürlich so diese Texturierung ausüben kann.

Daniel Wefers: Gerade bei Getränken vielleicht auch manchmal.

Daniel Wefers: Kommt immer darauf an, wo man vielleicht schaut.

Daniel Wefers: Also es gibt schon – dadurch ist es auch so viel unterwegs, das Inulin, und,

Daniel Wefers: ich sage mal, auch jetzt kein super negatives Image hat.

Daniel Wefers: Also ich kenne selber Leute, die sind recht kritisch, was Lebensmittel betrifft, und die haben mit dem Inulin zum Beispiel

Daniel Wefers: kein Problem und mischen sich das selber ins Müsli.

Daniel Wefers: Kann man ja auch einfach sich selber kaufen und irgendwo zumischen.

Daniel Wefers: Merkt man gar nicht so, wenn man das macht, aber man erhöht sozusagen selbstständig den Ballaststoffgehalt seiner hergestellten Lebensmittel.

Daniel Wefers: Also es gibt schon recht vielfältige Anwendungen.

Stefan Fak: Ja.

Stefan Fak: Kombiniert man das aber jetzt zum Beispiel mit einem Zuckeraustauschstoff oder einer Zuckeralternative – bei einem Erythrit steht ja sehr oft,

Stefan Fak: dass das abführend wirkt, Blähungen verursacht.

Stefan Fak: Also kann das ganze System dann auch an irgendeiner Stelle kippen?

Daniel Wefers: Ja, also gerade wenn man sehr hohe Mengen hat.

Daniel Wefers: Also so bei den Sachen, die mir einfallen, ist es häufig so, dass man das Inulin dann eher als Ersatz

Daniel Wefers: für zum Beispiel das Xylit, was ja auch so in höheren Mengen dann wirklich abführend wirkt,

Daniel Wefers: verwendet.

Daniel Wefers: Sozusagen als Träger zum Beispiel auch dann für Süßstoffe.

Daniel Wefers: Also dass man es mit Süßstoffen kombiniert, dass man sozusagen über das Inulin so ein bisschen das Mundgefühl vermittelt oder

Daniel Wefers: einfach auch, damit man überhaupt das richtig dosieren kann.

Daniel Wefers: Und die finale Süße dann wirklich über einen Süßstoff, wo die Süßkraft ja um ein Vielfaches höher ist als von

Daniel Wefers: Zucker, dann wirklich zustande bringt.

Daniel Wefers: Also das ist auch zum Beispiel ein Weg, den man gehen kann.

Daniel Wefers: Oder man macht halt diese Variante mit: Ich nehme halb Zucker, halb Inulin oder so was.

Stefan Fak: Das heißt, für die Verdauung ist dann relativ – dann kann es auch durchaus sein,

Stefan Fak: dass es zu gut wirkt.

Stefan Fak: Und ja, die Frage: Wenn ich jetzt als Verbraucher, Verbraucherin solche Aussagen lese auf einem Riegel oder auf einem Müsli,

Stefan Fak: „gut für die Verdauung" – da frage ich mich natürlich schon: Was liegt denn da für Studien zugrunde?

Stefan Fak: Was ist denn da notwendig, um solche Health Claims zu machen?

Stefan Fak: Und vor allem, wie genau wird das gemessen, wenn das, wie du sagst, eigentlich noch ein recht unerforschtes Feld ist?

Stefan Fak: Also müsste an so einen Spezialisten wie dich jemand eigentlich herankommen und sagen, ich brauche dazu eine Studie,

Stefan Fak: bevor ich so was aufdrucke?

Stefan Fak: Oder drucke ich das drauf nach dem Motto „No risk, no fun – warten wir mal,

Stefan Fak: bis eine Abmahnung kommt"?

Stefan Fak: Also manche drucken sich das ja einfach auf und schauen mal, ob das so durchgeht.

Daniel Wefers: Also es gibt ja da schon auch eine Grauzone zwischen zulässiger und verbotener gesundheitsbezogener Aussage.

Daniel Wefers: Also das ist sicherlich so was, wo, ja, wo manche vielleicht das erst mal versuchen.

Daniel Wefers: Und über Social Media wird dann teilweise einfach so ein bisschen umgangen, dass die Menschen einfach sagen:

Daniel Wefers: Ja, mir geht es besser dadurch, meine Verdauung hat sich verbessert, oder so was.

Daniel Wefers: Aber gerade so was wie „gut-friendly" oder so was wirklich dezidiert zu beweisen, das ist sehr schwierig.

Daniel Wefers: Und so viele Claims gibt es auch nicht für Ballaststoffe.

Daniel Wefers: Und das zeigt sich unter anderem eben auch darin, dass das relativ schwierig ist.

Daniel Wefers: Auch weil Menschen natürlich wahnsinnig unterschiedlich sind und das, was der eine oder die andere gut verträgt und was den

Daniel Wefers: Leuten guttut, dem anderen wiederum gar nicht.

Daniel Wefers: Deswegen, ja, ein bisschen schwierig.

Stefan Fak: Hm.

Stefan Fak: Lass uns zum Schluss doch noch mal nach vorne schauen, auf deine eigenen Projekte.

Stefan Fak: Was treibt dich denn im Moment so in der eigenen Werkstatt, im eigenen Labor um?

Stefan Fak: An welchen Projekten arbeitest du gerade?

Daniel Wefers: Ja, also vielleicht gerade in Bezug zum Inulin – und damit verknüpft auch ein paar andere Sachen –

Daniel Wefers: beschäftigen wir uns zum Beispiel damit: Wie kann man den Haushaltszucker, die Saccharose, über eine einfache enzymatische Reaktion,

Daniel Wefers: also über die Zugabe von einem Enzym, in Inulin oder Fructooligosaccharide umwandeln?

Daniel Wefers: Da gibt es Enzyme aus Milchsäurebakterien, die können genau diese Reaktion machen.

Daniel Wefers: Also dass ein einzelnes Enzym – das Enzym nimmt sich den Haushaltszucker her, nimmt die Fructose ab und setzt sie auf

Daniel Wefers: ein anderes Saccharosemolekül drauf und wiederholt diese Reaktion immer, immer wieder und baut so von ganz allein,

Daniel Wefers: nur mit zwei Zutaten sozusagen, mit diesem Enzym und der Saccharose, ein Fructooligosaccharid oder ein Inulinmolekül auf.

Daniel Wefers: Und das ist im Prinzip ja relativ vielversprechend, das zu nutzen, um zum Beispiel einfach diese Produktion aus der Pflanze

Daniel Wefers: zu ersetzen, weil das natürlich immer so Flächenverbrauch und so weiter mit sich bringt.

Daniel Wefers: Aber man könnte diese Enzyme natürlich auch in Lebensmitteln direkt einsetzen.

Daniel Wefers: Man kann prinzipiell mit diesen Enzymen auch ein bisschen anders aufgebaute Inuline generieren, die vielleicht dann eben auch ein bisschen

Daniel Wefers: andere technische Funktionalität im Lebensmittel haben.

Daniel Wefers: Und ja, da sehen wir relativ viel Potenzial drin und forschen deswegen auch aktiv.

Stefan Fak: Aber jetzt muss ich ganz blöd fragen: Wie du sagst, man kann es auch direkt im Lebensmittel einsetzen.

Stefan Fak: Würde das dann zum Beispiel bedeuten, dass durch so ein Enzym der Zucker in ein Inulin umgewandelt wird?

Stefan Fak: Oder habe ich das jetzt als Laie komplett falsch eingeschätzt?

Daniel Wefers: Nein, genau das.

Daniel Wefers: Das würde das implizieren, dass, wenn man ein Lebensmittel hat – wir schauen uns das zum Beispiel für Fruchtsaft an –,

Daniel Wefers: dass man einfach dieses Lebensmittel hat, ein Enzym zugibt, und dann wird ein Teil des Zuckers sozusagen umgebaut in Inulin.

Daniel Wefers: Dadurch reduziert man den Zuckergehalt und erhöht den Ballaststoffgehalt.

Daniel Wefers: Über eine vergleichsweise einfache Reaktion.

Daniel Wefers: Und prinzipiell gibt es diese Enzyme auch in anderen Ausführungen, dass sie so ein bisschen strukturell anders aufgebaute Ballaststoffe machen,

Daniel Wefers: die zum Beispiel dann deutlich größer werden können, etwas stabiler sein können oder auch zum Beispiel so gelartig sind oder

Daniel Wefers: wasserunlöslich.

Daniel Wefers: Und gerade das birgt natürlich auch Potenzial, zum Beispiel für eine Texturierung von einem Lebensmittel.

Daniel Wefers: Und gerade mit dieser Reaktion, der Umwandlung von Zucker in, ja, in dem Sinne Ballaststoffe oder komplexe Kohlenhydrate,

Daniel Wefers: damit beschäftigen wir uns sehr viel.

Stefan Fak: Nächste blöde Frage – jetzt ist der Punkt, wo ich mir wirklich dumm vorkomme.

Stefan Fak: Aber könnte es auch sein, dass ich jetzt einfach eine ganz normale Tafel Schokolade kaue,

Stefan Fak: daneben mir irgendwie so eine Enzymtablette hinlege und die dann ja entweder im Nachhinein schlucke oder parallel dazu zermalme?

Stefan Fak: Und dann freue ich mich, dass ich eine zuckerfreie Schokolade gegessen habe.

Stefan Fak: Ist das auch eine Möglichkeit?

Stefan Fak: Oder ich rühre diese Enzymtablette ins normale Nutella ein.

Daniel Wefers: Also im Nutella wird es wahrscheinlich schwierig, aber ich sag mal, solche Ansätze gibt es durchaus,

Daniel Wefers: dass man Enzyme hat, die man dann sozusagen mit dem Lebensmittel isst, und dass diese Umwandlung,

Daniel Wefers: die ich gerade beschrieben habe, dann nicht vom Lebensmittelhersteller gemacht wird, sondern eben im Magen-Darm-Trakt vom Konsumenten.

Daniel Wefers: Also das ist auch ein durchaus interessanter Ansatz.

Daniel Wefers: Also auch das sozusagen für den Heimgebrauch zu haben, auch wenn es da sicherlich noch ein bisschen hin ist,

Daniel Wefers: bis das passieren könnte.

Daniel Wefers: Aber das finde ich auch einen durchaus interessanten Ansatz.

Daniel Wefers: Absolut keine blöde Frage, sondern eigentlich eine ziemlich gute Idee.

Stefan Fak: Und wäre das dann auch ein Lösungsansatz für Leute mit Diabetes?

Daniel Wefers: Kann natürlich dabei helfen, dass man ein bisschen weniger Zucker aufnimmt.

Daniel Wefers: Wenn man jetzt aufs Inulin guckt, da ist natürlich schon so, dass die Glucose,

Daniel Wefers: die der zweite Baustein der Saccharose ist, die wird ständig frei.

Daniel Wefers: Wir haben zwar gesehen, die wird teilweise auch ein bisschen umgebaut, aber nicht maßgeblich.

Daniel Wefers: Und die ist ja eigentlich so für den Blutzuckeranstieg, also den Diabetes, von Bedeutung.

Daniel Wefers: Man kann natürlich auch den Fall machen, dass man keine Fructane, also auf Fructose aufgebaute Polymere,

Daniel Wefers: baut, sondern aus Glucose aufgebaute Polymere – damit befassen wir uns ja auch viel.

Daniel Wefers: Da könnte man dann tatsächlich die Glucose sozusagen aus der Gleichung rausnehmen.

Daniel Wefers: Ich denke, es kann für viele Menschen nützlich sein, wenn man sozusagen ein zuckerreiches Produkt hat und das sozusagen einigermaßen

Daniel Wefers: äquivalent ersetzen möchte oder einfach trotzdem ab und zu konsumieren möchte – ist auch natürlich absolut nichts falsch mit –,

Daniel Wefers: aber über solche enzymatischen Ansätze kann es eben auch möglich sein, wirklich da trotzdem noch ein bisschen was an den

Daniel Wefers: Nährwerten zu machen beziehungsweise so den Brennwert, den Kaloriengehalt zu reduzieren.

Stefan Fak: Aber du hattest vorhin gesagt, der umgekehrte Weg geht auch.

Stefan Fak: Also es ist durchaus ein Problem, dass Inulin sich mit der Zeit in Zucker wieder zurückverwandeln kann,

Stefan Fak: oder?

Daniel Wefers: Ja, also wenn eben zum Beispiel – also dieses Zurückverwandeln im Lebensmittel, das ist eben hauptsächlich,

Daniel Wefers: wenn man saure Bedingungen oder so vorliegen hat und das einfach hydrolysiert.

Daniel Wefers: Im Magen-Darm-Trakt sollte das größtenteils eigentlich kein Problem sein.

Daniel Wefers: Ich würde eher noch beim Inulin vielleicht irgendwann das Problem sehen, wenn man wirklich so viel drin hat,

Daniel Wefers: diese unangenehmeren Symptome, die geringere Verträglichkeit.

Daniel Wefers: Was aber auch wahrscheinlich viel einfach damit zusammenhängt, dass diese Sachen hauptsächlich mit pflanzlichem Inulin geguckt wurden,

Daniel Wefers: und die pflanzlichen Inuline, die sind, sag mal in Anführungszeichen, „klein".

Daniel Wefers: Da hat man vielleicht so bis zu 60 Fructosemoleküle.

Daniel Wefers: Klingt jetzt gar nicht klein, aber es ist im Kontext vielleicht dessen klein, dass wir,

Daniel Wefers: wenn wir mit unseren Enzymen solche Polymere herstellen, vielleicht auch mal 1.000, 2.000 Einheiten haben.

Daniel Wefers: Also da ist dann – das weiß man auch von anderen Ballaststoffen –, dass gerade diese Größe dieser Ballaststoffe eine große Rolle

Daniel Wefers: spielt in Bezug auf die Verträglichkeit.

Daniel Wefers: Und darüber könnte man auch, wenn man jetzt diese anderen Reaktionen anschaut, dass man Glucose zusammensetzt,

Daniel Wefers: vielleicht auch was an der Verträglichkeit machen.

Stefan Fak: Wow, also spannende Ansätze, spannende Themen.

Stefan Fak: Trotzdem habe ich ein Stück weit das Gefühl, gute Forschung kommt eigentlich relativ oft gar nicht im Supermarktregal an,

Stefan Fak: oder erst nach sehr, sehr langer Zeit.

Stefan Fak: Woran hakt es denn aus deiner Sicht?

Stefan Fak: Oder ist die Beobachtung falsch?

Daniel Wefers: Nein, das würde ich schon auch so sagen.

Daniel Wefers: Es ist schon so, dass es viele interessante Ansätze gibt, die nicht den Weg wirklich ins Supermarktregal schaffen.

Daniel Wefers: Und die Gründe dafür sind sicher vielschichtig.

Daniel Wefers: Einerseits ist es natürlich so – sagen wir, wenn wir hier was im Labor machen,

Daniel Wefers: ist das natürlich eine Riesenlücke dahin, das im industriellen Maßstab zu machen.

Daniel Wefers: Selbst wenn wir das hier erfolgreich demonstrieren für Modelllebensmittel und alles, muss das erst mal noch skaliert werden.

Daniel Wefers: Das kostet viel Geld.

Daniel Wefers: Es gibt für Lebensmittelhersteller, wenn sie eine funktionierende Rezeptur haben und jetzt nicht so den Druck,

Daniel Wefers: irgendwas anders zu machen, oder nicht den Willen, je nachdem, ja auch nicht unbedingt jetzt den massiven Grund,

Daniel Wefers: da viel zu investieren.

Daniel Wefers: Dann gibt es gewisse regulatorische Einschränkungen, die Novel-Food-Verordnung.

Daniel Wefers: Man muss natürlich bei solchen neuartigen Sachen immer direkt zeigen – was ja natürlich auch seinen Sinn hat,

Daniel Wefers: aber man kann natürlich über die Abstufungen durchaus teilweise diskutieren –, dass das auf jeden Fall gesundheitlich unbedenklich und so weiter

Daniel Wefers: ist.

Daniel Wefers: Aber das dauert halt einfach lange, und das ist immer ein Risiko für Leute,

Daniel Wefers: die das letztendlich anwenden wollen, wenn die viel investieren sollen und dann nicht mal wissen:

Daniel Wefers: Habe ich dann sicher eine Anwendung am Schluss?

Daniel Wefers: Und das sind sicher so Sachen, die das ein bisschen limitieren.

Stefan Fak: Ja, vielleicht so zum Abschluss noch eine Frage.

Stefan Fak: Denken wir doch mal noch an die junge Generation, die Studierenden, die sich jetzt vielleicht und heute in der Lebensmittelwissenschaft

Stefan Fak: betätigen wollen, die in das Feld einsteigen möchten.

Stefan Fak: Was würdest du denn diesen jungen Leuten mit auf den Weg geben?

Stefan Fak: Was würdest du denn denen raten?

Stefan Fak: Wo sollen sie sich engagieren?

Stefan Fak: Was sind denn die Projekte der Zukunft?

Daniel Wefers: Ja, also ich denke, ich sage mal ganz unegoistisch: Wenn man sich für ein Studium der Lebensmittelchemie entscheidet,

Daniel Wefers: macht man nichts falsch.

Daniel Wefers: Aber das muss ich ja sagen als Professor für Lebensmittelchemie.

Daniel Wefers: Aber wenn man wirklich ein bisschen offener bleibt in dem, was man machen möchte,

Daniel Wefers: würde ich dafür werben, sich erst mal viel anzuschauen, offen zu bleiben für alle möglichen Richtungen.

Daniel Wefers: Dass man nicht von vornherein hingeht und sagt: Ich möchte auf jeden Fall das und das machen,

Daniel Wefers: sondern sich verschiedene Dinge anschaut, auch mal zum Beispiel sich damit beschäftigt: Wie laufen die Sachen in der Lebensmittelindustrie?

Daniel Wefers: Oder wie laufen die Sachen in der Überwachung?

Daniel Wefers: Wie ist es denn in der Forschung?

Daniel Wefers: Dass man weiß, ja, wie ist das da so – egal, ob man jetzt Lebensmittelchemie studiert oder auch Lebensmitteltechnologie oder Ähnliches.

Daniel Wefers: Und ich denke, das Wichtigste ist, dass man etwas findet, wofür man brennen kann,

Daniel Wefers: was man wirklich umsetzen will.

Daniel Wefers: Und da gibt es sicher verschiedene Ansätze.

Daniel Wefers: Also ich sag mal, dieses Thema Ballaststoffe wird aus meiner Sicht bleiben.

Daniel Wefers: Das ist so eng verknüpft mit dem Mikrobiom.

Daniel Wefers: Und das Mikrobiom ist so ein großes Feld, was verknüpft ist mit der Gesundheit von Menschen,

Daniel Wefers: aber auch mit den Auswirkungen von Lebensmitteln.

Daniel Wefers: Das ist sicher ein großes Thema, was bleiben wird.

Daniel Wefers: Natürlich kommen immer andere Trends auf.

Daniel Wefers: Aber ich sage mal, wenn man eine gute Ausbildung genossen hat, hat man ja die Kompetenz,

Daniel Wefers: sich auch diese anzueignen.

Daniel Wefers: Also ich sehe es ja an den Leuten, die wir ausbilden: Die können sich ohne Probleme in neue Themenfelder einarbeiten,

Daniel Wefers: und dann kann man auch wirklich so am Zahn der Zeit arbeiten, weil die Herausforderungen in der Lebensmittelindustrie oder auch

Daniel Wefers: in der Lebensmittelüberwachung, die werden ja nicht kleiner, sie werden größer mit der Zeit.

Daniel Wefers: Alles wird komplizierter.

Daniel Wefers: Es kommen immer neue Dinge auf, die man umsetzen muss, die irgendjemand erforschen muss.

Daniel Wefers: Und ja, wenn man da offen bleibt dafür und einem das Spaß macht, dann hat man eigentlich alle Grundlagen,

Daniel Wefers: da dabei zu bleiben.

Stefan Fak: Lieber Daniel, vielen Dank für das Gespräch.

Stefan Fak: Ich glaube, wir haben heute dem Thema Ballaststoffe richtig Leben eingehaucht und einen guten Einblick bekommen,

Stefan Fak: was hinter diesem Hype steht.

Stefan Fak: Ich wünsche dir auf alle Fälle alles Gute für die Projekte.

Stefan Fak: Und ja, natürlich freue ich mich auf ein baldiges Wiedersehen oder Wiederhören.

Daniel Wefers: Ja, ganz herzlichen Dank auch für die Einladung.

Daniel Wefers: Hat Spaß gemacht.

Daniel Wefers: Und ja, vielleicht haben wir es bald.

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